Einkaufsverbände und Genossenschaften sind nicht grundsätzlich schlecht.
Im Gegenteil: Richtig eingesetzt können sie Prozesse vereinfachen, Volumen bündeln und Zugang zu Lieferanten schaffen, den ein einzelner Händler allein kaum erreicht.

Das Problem beginnt dort, wo Bequemlichkeit mit Strategie verwechselt wird.
Viele Händler lassen ihren Einkauf fast vollständig über den Verband laufen. Eine Abrechnungsstelle, klare Strukturen, vermeintlich gute Konditionen – das fühlt sich effizient an. Doch Effizienz ersetzt keine unternehmerische Kontrolle.

Was selten offen thematisiert wird:
Einkaufsverbände zeigen ihren Mitgliedern nicht, wie man sie strategisch begrenzt nutzt. Also wie man parallel verhandelt, Alternativen aufbaut, Abhängigkeiten reduziert und den Verband als Option – nicht als Fundament – einsetzt. Nicht aus Unwissen, sondern weil es dem eigenen Geschäftsmodell widerspricht.

Je höher die Bindung, desto größer die Asymmetrie.
Der Händler wird zum Volumenlieferanten, nicht zum Partner.
Einkaufskompetenz, Marktgefühl und Verhandlungsmacht wandern schleichend von der Fläche in die Zentrale.

In stabilen Zeiten fällt das kaum auf.
In schwierigen Phasen sehr wohl.

Wenn es eng wird, schützen Verbände ihre Struktur, nicht den einzelnen Betrieb. Zahlungsziele kippen, Kulanz endet, individuelle Lösungen werden selten. Wer dann keine Alternativen mehr hat, steht mit dem Rücken zur Wand – nicht wegen schlechter Arbeit, sondern wegen fehlender strategischer Optionen.

Einkaufsverbände sind Werkzeuge.
Aber jedes Werkzeug braucht einen Anwender, der weiß, wann er es benutzt – und wann nicht.

Und jetzt ganz nüchtern: Holt eure Verträge mit euren Verbänden heraus und lest sie aufmerksam durch.

Ein letzter Tankanstoß für alle, die sich selbstständig machen wollen:
Baut euch von Anfang an Alternativen auf. Abhängigkeit entsteht selten über Nacht – sie wächst leise, während alles noch bequem funktioniert.