Der Fahrradhandel 2026
Das Jahr 2025 war für den Fahrradhandel kein Übergangsjahr, sondern ein Korrekturjahr.
Und diese Korrektur ist noch nicht abgeschlossen. Realistisch betrachtet wird sie sich bis weit in die Saison 2026 hineinziehen, mindestens bis zur Jahresmitte.

2025 – Warum dieses Jahr für viele Betriebe so schwierig war
Nach den Boomjahren 2020 bis 2022 haben viele Marktteilnehmer ihre Geschäftsmodelle auf dauerhaft hohe Nachfrage ausgelegt. Lager wurden massiv aufgebaut, Flächen vergrößert, Fixkosten erhöht. Als sich der Markt normalisierte, blieben die Kosten – die Nachfrage jedoch nicht.
2025 war deshalb geprägt von:
Übervollen Lagern entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Aggressiven Preisaktionen, um Liquidität zu sichern
Verkäufen unter Einstandspreis, insbesondere bei E-Bikes
Schwindenden Margen, die weder Investitionen noch Rücklagen erlauben
Wer heute bei diesen Rabatten behauptet, es werde noch Geld verdient, ignoriert betriebswirtschaftliche Grundregeln. In großen Teilen der Branche wird aktuell kein Geld mehr verdient, sondern Substanz verbraucht – im Handel wie bei Herstellern.
Handel und Industrie unter gleichem Druck
Die Situation betrifft längst nicht nur den stationären Handel. Auch die Fahrradindustrie steht unter massivem Druck. Hohe Produktionsmengen aus den Vorjahren, volle Lager und sinkende Abnahmemengen zwingen Hersteller zu Preiszugeständnissen, die wiederum den Handel unter Zugzwang setzen.
Dieses Zusammenspiel führt zu einer Abwärtsspirale:
Sinkende Preise → sinkende Margen → steigender Liquiditätsdruck → noch stärkere Rabattaktionen.
Ein nachhaltiges Geschäftsmodell entsteht so nicht – weder für Händler noch für Hersteller.
Was 2026 realistisch bevorsteht
Für 2026 ist keine schnelle Entspannung zu erwarten. Die strukturellen Probleme lassen sich nicht in wenigen Monaten auflösen. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Marktbereinigung bis mindestens zur Mitte der Saison 2026 fortsetzt.
Besonders betroffen werden sein:
Größere Fahrradbetriebe mit hohen Lagerbeständen
Unternehmen mit hohen Fixkosten und großen Verkaufsflächen
Händler, deren Geschäftsmodell stark vom reinen Produktverkauf lebt
Hier sind weitere Insolvenzen, Übernahmen und Zusammenschlüsse wahrscheinlich. Nicht, weil Fahrräder keine Zukunft hätten – sondern weil viele Geschäftsmodelle unter den aktuellen Marktbedingungen nicht mehr tragfähig sind.
Warum kleinere, spezialisierte Händler widerstandsfähiger sind
Auffällig ist: Kleinere, spezialisierte Fachhändler kommen oft besser durch diese Phase. Nicht, weil sie keine Probleme haben – sondern weil:
weniger Kapital im Lager gebunden ist
Service, Werkstatt und Beratung eine größere Rolle spielen
Kundenbindung stärker wirkt als Preis
Diese Betriebe arbeiten näher an der Realität des Marktes und sind gezwungen, wirtschaftlich sauber zu kalkulieren.
Der eigentliche Wandel: Weg vom reinen Verkaufsmodell
Der Fahrradhandel steht vor einer grundlegenden Veränderung. Das klassische Modell „Fläche + Ware = Erfolg“ funktioniert nicht mehr automatisch. Zukunft haben Betriebe, die:
Service, Werkstatt und Kompetenz ins Zentrum stellen
Lagerbestände aktiv steuern statt auf Abverkauf zu hoffe
auf nachhaltige Marge statt kurzfristigen Umsatz setzen
Der Markt trennt zunehmend zwischen Betrieben mit Strategie und Betrieben, die auf Hoffnung und Rabatte setzen.
2026 wird kein Boomjahr.
Es wird ein Jahr der Entscheidungen.
Welche Betriebe haben ein belastbares Geschäftsmodell?
Welche verbrennen aktuell noch Kapital?
Und wer schafft den Übergang von Rabatt-getriebenem Verkauf zu wirtschaftlich nachhaltigem Handeln?
Der Fahrradhandel verschwindet nicht.
Aber er verändert sich – schneller, härter und kompromissloser, als viele erwartet haben.











